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RVS sucht händeringend Fachpersonal

RVS sucht händeringend Fachpersonal
Wenn Busfahrer  Goldstaub sind

 Pünktlich hält der Bus an der Lübbener Haltestelle Am Kleinen Hain. Die Busfahrer sind nicht nur Fahrzeuglenker, sondern auch Kontrolleur und Fahrkartenverkäufer.
Pünktlich hält der Bus an der Lübbener Haltestelle Am Kleinen Hain. Die Busfahrer sind nicht nur Fahrzeuglenker, sondern auch Kontrolleur und Fahrkartenverkäufer.FOTO: LR / Katrin Kunipatz
Lübben. Die Regionale Verkehrsgesellschaft Dahme-Spreewald benötigt dringend mehr Busfahrer. Doch trotz guter Bezahlung finden sich kaum Fachkräfte. RVS-Chef Richter würde deswegen bei der Anwerbung am liebsten noch einen Schritt weiter gehen. Von Ingvil Schirling

Medienberichte hatten Kreistagsabgeordnete aufgeschreckt, weil die RVS eine 100-prozentige Tochter des Landkreises ist und auch von ihm teilweise finanziert wird, um unter anderem der Aufgabe nachzukommen, Dahme-Spreewälder Kinder sicher zur Schule zu bringen. 20 Busfahrer fehlen, hieß es, Fahrten fallen aus. Alarmiert setzten die Kommunalpolitiker das Thema an die Spitze der Tagesordnung des neu geschaffenen Fachausschusses für Kreisentwicklung, Infrastruktur, Mobilität und Bauleitplanung, der diese Woche zum zweiten Mal tagte.

RVS-Chef Siegfried Richter hatte somit Gelegenheit, in aller Ruhe zu erklären, woran es denn genau liegt, dass so viele Busfahrer und damit eben auch Fahrten ausfielen. Betroffen ist davon bisher der Norden Dahme-Spreewalds, wo Fahrgäste der RVS zufolge die Möglichkeit haben, auf alternative öffentliche Beförderung, wie etwa die S-Bahn, umzusteigen.

Kranke Busfahrer erwischen RVS Dahme-Spreewald kalt

Zum einen, so Richter, hätte das Unternehmen aufgrund von Überstunden und Resturlaub einer ganzen Reihe von Busfahrern freigegeben, auch, um diese Stunden vor der herbstlichen Erkältungszeit abzubauen.

Doch eine erste Krankheitswelle erwischte das Unternehmen kalt. Allein am Standort Mittenwalde meldeten sich zwölf Fahrer krank, in Lübben einer, in Luckau drei.

Von diesen drei Depots aus bedient die RVS die Linien mit ihren Fahrten im Landkreis. Dabei, so Richter, denke das Unternehmen in Diensten, der Fahrgast hingegen in Linien.

Kein Busfahrer fahre heute nur noch eine Linie hin und her, sondern bediene während seines Dienstes verschiedene Fahrten auf mehreren Linien. Dahinter stecken mehrere Gründe von der logistischen Verringerung der Wartezeiten bis zur größeren Flexibilität im Vertretungsfall.

Daher fielen in der Spitze der Urlaubs- und Krankheitsphase eben zunächst Fahrten aus, was für den Reisenden im Ergebnis aus seiner Sicht eine unzuverlässige Linie erzeugte.

RVS Dahme-Spreewald braucht mehr Busfahrer

Inzwischen hat die RVS „Plan A“ umgesetzt, „in dem wir uns auf den Ausfall von Linien konzentrieren“, so Richter. Wohlgemerkt dort, wo es Alternativen gibt. So entfällt bei Großziethen in Nord-LDS die 743, weil zwei andere Linien genutzt werden können, wodurch im Ergebnis gleich zwei Fahrer anders eingesetzt werden können.

Doch perspektivisch braucht es genau von diesen Fachkräften schlicht mehr. Zwar reicht es laut Richter gerade so im Moment, und der Schülerverkehr sei abgesichert. Doch mit der Eröffnung des BER werden elf weitere Fahrer gebraucht, dazu kommen neun, um den Nahverkehrsplan wie bisher umsetzen zu können. Das sind in Summe 20 Busfahrer, „und die müssen wir irgendwoher kriegen“.

Richter will dabei auf eine weitere Erhöhung der Arbeitsmarktzulage setzen und ein Prämiensystem, mit dem sich mindestens 1200 Euro im Jahr mit Anwesenheit, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit hinzuverdienen lassen.

Schon jetzt winkt die LDS-Tochter mit Scheinen und zahlt 100 Euro über Tarif, einen 44-Euro-Tankgutschein und eine Anwesenheitsprämie von 100 Euro im Monat, was den Krankenstand ihm zufolge deutlich gesenkt hat.

EU-Ausländer ohne Deutschkenntnisse als Busfahrer?

Doch selbst wenn die Arbeitsmarktzulage erhöht und das Prämiensystem ausgebaut wird, was der Landkreis als Finanz-Mutter mittragen müsste, kann man sich die Busfahrer nicht backen. Und aus der intensiven und sehr konstruktiven Diskussion zwischen RVS-Chef und Abgeordneten wurde klar, dass dieses Fachpersonal mittlerweile zu dem zählt, was allgemein als „Goldstaub“ bezeichnet wird.

Richter würde daher inzwischen sogar noch einen Schritt weitergehen und liebäugelt mit der Einstellung von EU-Ausländern. Wenn er die Wahl habe, ob der Bus fährt oder der Fahrer perfekt Deutsch spricht, würde er sich mittlerweile für ersteres entscheiden, sagte er angesichts der Lage.

Schlechteres Betriebsklima für Busfahrer in Mittenwalde

Und noch etwas anderes spielt eine Rolle, stellte sich auf Nachfrage des Ausschussvorsitzenden Olaf Damm (CDU) heraus. Er nahm mehrfach den in Mittenwalde besonders hohen Krankenstand ins Visier. Richter räumte schließlich ein im Vergleich zu den Standorten in Lübben und Luckau schlechteres Betriebsklima ein. Er wies aber auch darauf hin, dass der Umgangston im berlinnahen Raum etwas ruppiger sei als im ländlichen Süden, es „kulturelle“ Unterschiede gebe.

Und ließ auch anstrengende und unangenehme Fahrten mit mancher Schülerklientel nicht unerwähnt. Busbegleiter sind in den vergangenen Jahren aus diesem Grund immer wieder eingesetzt worden, ohne wirklich nachhaltigen Erfolg.

„Wir werden uns mit höheren Zuschüssen auseinandersetzen müssen“, subsumierte Olaf Damm am Ende die Debatte. Doch Geld ist vielleicht auch nicht alles.