Zum Kreistag am 18. Dezember will die Verwaltung Dahme-Spreewalds ihr Kreisentwicklungskonzept vorlegen. Umfang: gut 100 Seiten. Ende Februar 2020 soll es möglichst beschlussreif sein – so hat Dezernent Heiko Jahn (SPD) beim Kreisentwicklungsausschuss am Dienstagabend den Zeitstrahl skizziert. Näheres zum Inhalt verriet er nicht.

Statt dessen war Christian Mehnert von den Kreiswerken Barnim geladen, die mit ihrer „Konzernstruktur“ rund um erneuerbare Energien, Stoffkreisläufe und Bürgerbeteiligung mehrere und große Schritte weiter zu sein scheinen. Sein Vortrag beeindruckte die Abgeordneten durchaus, denn er zeigte, wie eine Kommune Energie- und Stoffkreisläufe selbst (mit-)steuern kann. Ausschussvorsitzender Olaf Damm (CDU) gab freimütig zu, beim Hören von „Konzernstruktur“ zunächst etwas gelächelt zu haben, nach dem Vortrag aber nicht mehr.

Unterstützung zugesagt

Mehnert bot an, den Dahme-Spreewäldern zur Seite zu stehen, sollten sie einen ähnlichen Entwicklungsweg einschlagen. „Wir haben einige Fehler gemacht und Klippen überspringen müssen. Das muss ja nicht zweimal sein“, räumte er ein, ohne auf Details einzugehen.

Es sei ein Weg mit Höhen und Tiefen gewesen, begonnen noch von Bodo Ihrke (SPD), der bis 2018 fast 30 Jahre lang Landrat im Barnim war, und umgesetzt „mit viel Druck“. Ermöglicht wurde der Strukturaufbau von einer direkten und drei indirekten Kreisgesellschaften im Energie- und Stoffkreislaufbereich durch eine Gesamt-Anschubfinanzierung in Höhe von fünf Millionen Euro, bewilligt vom Kreistag. Einige Gesellschaften tragen sich, andere (noch) nicht, so Mehnert. Aufgebaut worden sei somit unter anderem eine E-Carsharing-Flotte mit 17 Autos und zwei Lastenfahrräder; aufgrund des Bedarfs sind jetzt weitere 23 Fahrzeuge anvisiert. Die Ausschreibung laufe. Genutzt werden sie einerseits von Verwaltungsmitarbeitern als Dienstfahrzeuge, andererseits von Privatpersonen, wenn sie nicht gebraucht werden, nach Feierabend und am Wochenende, aber auch zwischendurch. Barnim erfreut sich starken Zuzugs, was den Bedarf mit anheizt. Das Besondere: Wer bei diesem „Bar-Share – Carsharing im Barnim“ mitmacht, kann kostenfrei E-Energie tanken. Der Ausbau der Ladesäulen steht ganz oben auf der Prioritätenliste. Wer den Strom aus den Säulen ohne Carsharing nutzt, muss ihn aber bezahlen. „Beim Tanken muss man ja auch bezahlen“, sagte Christian Mehnert.

Wasserstoff auf Investitionsliste

Auf dem Investitionsplan stehen weiterhin zwei wasserstoffbetriebene Züge, später Busse und Abfallentsorgungsfahrzeuge. Der Wasserstoff soll aus Windenergie gewonnen werden, wenn Räder ansonsten gedrosselt werden müssten. Wie Einwohner an Windenergie beteiligt werden können, soll gemeinsam mit einer Bürgerenergiegenossenschaft ausgelotet werden.

Somit deckt die konzernartige Struktur einen großen Bereich an Daseinsfürsorge ab. Die Barnimer Kreiswerke sind eine direkte Tochter des Landkreises, von ihr zweigen die drei „Enkelgesellschaften“ ab. Die Barnimer Energiegesellschaft (BEG) arbeitet mit einigen, aber (noch) nicht allen Kommunen an der Entwicklung geeigneter energiewirtschaftlicher Projekte. Die Finanzierung „wird ausgegliedert in die Barnimer Energiebeteiligungsgesellschaft (BEBG)“, so die Kreiswerke über die Struktur. Die BDG kümmert sich als dritte im Bunde um die Abfallentsorgung im weitesten Sinne.

Dezentrale Projekte

Ein Aspekt ist zudem, mit den Unterprojekten „Sun-Bar“ beziehungsweise „Erwärm-Bar“ kommunale Grundstücke für Photovoltaik zu nutzen beziehungsweise mit Biogas erzeugte Wärme an kommunale Gebäude zu liefern.

Ob und wie solche Strukturen für Dahme-Spreewald umgesetzt werden könnte, ist völlig offen. Nachfragen zeigten aber, dass die Abgeordneten mit Blick auf die eigene Kreisentwicklung durchaus inspiriert waren.